
Indem er uralte Wege in den Fokus rückt, lässt der Slawist und Historiker Karlheinz Hengst seine Leserschaft einmal mehr in der für ihn typischen transdisziplinären Erkundungs- und Darstellungsweise miterleben, wie sich Slawen und Deutsche im Laufe des Mittelalters den späteren mitteldeutschen Osten erschlossen haben, sich dort begegneten und auf vielfältige Weise beeinflussten. Dafür macht er sich unter anderem Orts- und Gewässernamen zunutze und demonstriert, dass diese weit mehr sind als überkommene sprachliche Relikte: Sie markieren und bewahren Spuren von Migration, Herrschaft, Besiedlung und kulturellem Wandel. Durch seine innovative Verbindung der Sprach- mit der Landesgeschichte, einschließlich Archäologie und Besiedlungsgeschichte, werden historische Räume mit höherer Auflösung in größerem Detail lesbar. Traditionelle Deutungen geraten ins Schwanken, bislang übersehene Zusammenhänge treten hervor und scheinbar gesichertes Wissen erhält überraschende neue Perspektiven. Slawische Wege, deutsche Siedlungen bringt ans Licht, was lange verborgen blieb: frühe slawische Niederlassungen an den alten Wegen von und nach Böhmen, die anfangs ausschließlich mündliche Weitergabe jahrhundertealter Namen und die Transformation der Siedlungsräume während des mittelalterlichen Landesausbaus. Neben den neuen Erkenntnissen zur deutsch-slawischen Geschichte Mitteldeutschlands macht auch Hengsts Methodik, die weit über Mitteldeutschland hinaus neue Wege eröffnet, den durch ein Register erschlossenen Band zur unverzichtbaren Lektüre vor allem für Sprach-, Landes-, Siedlungs-, Kirchenhistoriker und Archäologen sowie geschichtlich Interessierte.