
Motive des ‚Orientalismus‘, wie von Edward Said geprägt, sucht man für gewöhnlich in Literaturen ab dem 19. Jahrhundert. In kritischer Auseinandersetzung mit diesem Konzept untersucht Björn Zentschenko nun mögliche Vorformen des ‚Orientalismus‘ in Texten der Frühen Neuzeit. Ausgehend von der Kreuzzugsideologie des späten Mittelalters zeichnet er nach, wie zwischen ‚Türkengefahr‘ und märchenhafter Verklärung des Orients ein Diskursraum aufgespannt wird, in welchem die rhetorisch angelegte Literatur der Frühen Neuzeit eine besondere Stellung einnimmt. Exemplarische Fallstudien zeigen die Thematik des Orients beispielsweise bei Sachs, Gryphius, Lohenstein, Cronegk, Haller, Lessing oder Goethe. Welche wissensgeschichtlichen Veränderungen führen im Laufe der Frühen Neuzeit dazu, dass sich die Imaginationen des Orients von einer religiösen ‚refutatio‘ zu einer romantischen Verklärung verändern?