Zum Buch:
Auf dem Cover ein majestätischer Eisberg, der aussieht wie der gewaltige Kopf eines weißen Wals, der aus der eiskalten Tiefe des Meeres hervorbricht und dessen untere Kieferpartie mit Linien, Narben und Furchen überzogen ist, während sich im Hintergrund der Himmel unheilvoll düster zuzieht. Eine über die Maßen spektakuläre Fotografie, an der man sich gar nicht sattsehen kann.
Doch so beeindruckend diese erste Fotografie auch ist, in dem Bildband „Vom Ende der Ewigkeit“ folgen noch Dutzende weitere, bei denen dem Betrachter regelrecht die Spucke wegbleibt. Und es sind nicht nur Eisberge, die die Ausnahmefotografin Camille Seaman hier festgehalten hat. Da gibt es haushohe Gletscherwände, die aussehen wir frische Marmorbrüche, längst aufgegebene Walfangstationen, zurückgelassenes Material, das in der Kälte konserviert wurde, im Endeffekt Schrott, der aber vor der Kulisse aus Eis und Fels wie arrangierte Kunstwerke wirkt, eine Brutkolonie von Königspinguinen, die aussieht, als hätten sich alle Kellner dieser Welt an dieser Küste ein zwangloses Stelldichein gegeben, einsame Kreuzfahrtschiffe, die vor einem zerfetzten, schiefergrauen Himmel durch ein Meer aus Eisschollen gleiten und dennoch nicht fehl am Platz scheinen.
Ob nun die Arktis, die Antarktis, Südgeorgien, Spitzbergen oder Nordgrönland: Camille Seaman hat über Jahrzehnte hinweg die kältesten Regionen dieser Erde bereist, und was sie an Bildern und Erfahrungen mitgebracht hat, ist schier überwältigend, ist einzigartig und macht auch nachdenklich, denn es gilt, diese Welt, die den meisten Menschen so fremd ist, zu bewahren, haben doch längst findige Geschäftemacher ein Auge auf die Bodenschätze dieser bisher fast unberührten Welt geworfen. Und das muss auf jeden Fall verhindert werden. Camille Seamans Buch trägt dazu bei, uns diese Welt näher zu bringen, und das ist ihr zu hundert Prozent gelungen.
Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln